Vom mittelständischen Maschinenbauer und der digitalen Transformation

Der Eisberg schmilzt, die Pinguine müssen umziehen. Auf John P. Kotter und sein Pinguin-Prinzip bezog sich Sebastian Mayer, Mitglied der Geschäftsleitung beim Rundstrickmaschinenhersteller Mayer & Cie., gleich zu Anfang seines Vortrags in der Albstädter Technologiewerkstatt. Mayer ging es dort Mitte April 2018 um die digitale Transformation, die „uns als Textilmaschinenbauer glücklicherweise noch nicht mit der Wucht erfasst hat, die wir beispielsweise aus dem Bereich der Medien kennen.“ Um diese Verzögerung ist Sebastian Mayer, beim Familienunternehmen für die Unternehmensentwicklung zuständig, dankbar: „Das nimmt uns den Druck, wir können überlegt und sukzessive vorgehen.“

In den vergangenen Jahren hat sich der Rundstrickmaschinenbauer daher um eine solide Basis für digitale Veränderungen bemüht und sein ERP-System neu aufgesetzt. Dieses System bildet die Grundlage für weitere Bausteine. Insbesondere Vertrieb, Kundenservice und Kundenbetreuung sollen zukünftig von den digitalen Möglichkeiten profitieren. Im ersten Schritt soll deshalb vorhandenes Kundenwissen zentralisiert und systematisiert werden. Dann geht es an die Zusammenführung, Auswertung und Bereitstellung von Daten aus ganz verschiedenen Kanälen und Kontaktpunkten. Leitender Unternehmensentwickler Mayer: „Dieses Wissen ist zwar heute schon vorhanden, als ‚Kopfwissen‘ irgendwo zwischen hier und Argentinien, aber das ist nicht kurzfristig abruf- und auswertbar. Ziel ist es, dieses umfangreiche Wissen mittels verschiedener Systeme zu bündeln und so zu einer integrierten Multi-Channel Strategie zu gelangen.“ Des Weiteren soll es ein neues Kommunikations-Tool leichter machen, innerhalb der Unternehmensgruppe zu kommunizieren und Informationen mit den weltweiten Vertriebspartnern zu teilen.

Bei all diesen Vorhaben steht im Mittelpunkt immer der Kunde. Dieser soll zukünftig noch besser beraten werden und noch kürzere Wege vorfinden. So ist beispielsweise ein Web-Shop geplant, der speziell das Ordern von Ersatz- und Verschleißteilen sowie Verbrauchsmaterialien deutlich vereinfachen wird.

Wohin, abgesehen von diesen handfesten Vorhaben, die Reise gehen soll, umriss Sebastian Mayer zu Ende seines Vortrags: Erkenntnisse aus der Wissensdatenbank sollen beispielsweise in die Entwicklung neuer Maschinen einfließen, die Beratungsleistungen verbessern und, so Sebastian Mayer, „im besten Fall zu automatisierten Prozessen führen. Als ein Beispiel könnte hier das prädiktive Wartungssystem dienen. Dann sagt unsere Maschine dem Stricker nicht nur Bescheid, dass turnusgemäß ein Teil ausgewechselt werden muss, sondern die Maschine bestellt es sich auch gleich selbst. Aber darum kümmern wir uns dann nach der ITMA 2019.“

Besucherrekord in der Technologiewerkstatt: Sebastian Mayers Vortrag zur Digitalisierung eines Rundstrickmaschinenbauers zog zahlreiche Zuhörer an.

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