Bisher wurde der Welt-Textilhandel durch das Multi Fiber Arrangement (MFA) geregelt, das außerhalb des GATT-Regelwerks stand.
Nach dem ATC-Fahrplan wird der Textilhandel jedoch ab dem 1. Januar 2005 den Welthandelsregeln unterstellt sein und Mengenbeschränkungen soll es dann nicht mehr geben.
Bis heute sind 51 % des Importvolumens, berechnet auf der Mengenbasis von 1990, liberalisiert und in das Abkommen aufgenommen.
Störfaktoren der Liberalisierung.
Um die Auswirkungen der Überführung der restlichen 49 % des textilen Handelsvolumen in die GATT-Bestimmungen zu beurteilen, müssen Safequards wie auch Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in die Betrachtung mit einbezogen werden. Die im ATC-Abkommen enthaltene Schutzklausel (Artikel 6) ermöglicht es Importländern, Schutzmaßnahmen einzuleiten ohne dass die Exportländer Gegenmaßnahmen ergreifen dürfen.
Aufgrund der speziellen Situation der US-Textilindustrie – hier sind ja auch Negativeffekte aufgrund der ATC-Liberalisierung prognostiziert – ist damit zu rechnen, dass die USA von diesen Schutzrechten Gebrauch machen könnte. In Europa ist damit nicht zu rechnen, passen derartige restriktive Maßnahmen doch nicht zur von der EU verfolgten handelspolitischen Linie. Generell zeigt ja die Erfahrung auch, dass durch Quotenschutz notwendige Anpassungsmaßnahmen nur zeitlich verschoben, aber nicht ersetzt werden.
Die Liberalisierung ist Fakt und es ist für jedes Unternehmen eine Strategiepflicht, sich darauf einzustellen.
Allerdings – die technologisch höher entwickelten Länder plädieren für die Einführung von Sozial- und Umweltstandards in das Regelwerk der WTO. Die Gründe sind zunächst logisch: Sozialleistungen und Umweltschutzmaßnahmen verursachen hohe Kosten und führen natürlich zu internationalen Wettbewerbsverzerrungen. Es besteht aber auch die Gefahr, dass diese Thematik durch protektionistische Praktiken missbraucht wird. Diese Gefahr wird verstärkt durch die sogenannten NGOs. Darunter versteht man Organisationen, die sich nicht selbst legitimieren und sich zunächst auf die Bereiche Umwelt, Entwicklung und Menschenrechte konzentrieren. In den letzten Jahren nehmen sie jedoch immer mehr Einfluss auf Themen, wie internationaler Handel, Auslandsinvestitionen und internationale Produktionsbedingungen.
An der Spitze dieser NGOs stehen Greenpeace und Amnesty International, die in der Öffentlichkeit nachweislich größeres Vertrauen besitzen, als Politik und Unternehmen.
Die hochentwickelte Medienlandschaft ermöglicht den NGOs die Verbreitung von Bildern – vor allem im Fernsehen, Internet und in den Massen-Printmedien. Damit werden Emotionen angesprochen, die im allgemeinen gesellschaftlichen Interesse liegen. Besonders in Europa ist es den NGOs gelungen, ein Vakuum zu besetzen und die Verdrossenheit der Bürger über Politik, Medien und Unternehmen für sich zu nutzen. Die Folgen zeichnen sich schon ab: Die NGOs werden verstärkt auch von Politikern gehört und erste Vorschläge werden lautet, die NGOs an internationalen Entscheidungsprozessen zu beteiligen.
Zusammengefasst kann gesagt werden, dass mit Ausnahme der USA keine protektionistischen Maßnahmen im internationalen Textilhandel zu erwarten sind. Das Erreichen von Umwelt- und Sozialstandards, die vor allem moralisch nicht angreifbar sind, kann gerade für Entwicklungsländer für ihre Exporterfolge eine wichtige Voraussetzung werden – umso mehr, da sich die NGOs weltweit zu ernstzunehmenden Akteuren entwickelt haben, die verstärkt unternehmerische und politische Entscheidungen beeinflussen werden.
Quotenliberalisierung bringt Verschiebung der Marktanteile.
Eine wesentliche Rolle bei der Betrachtung der Liberalisierung des weltweiten Textilhandels spielt China. Denn nach dem Beitritt zur WTO gilt die stufenweise Liberalisierung auch gegenüber der Volksrepublik.
Dabei stellte man sowohl in USA wir auch in der EU fest, dass das beachtliche mengenmäßige Wachstum der Importe aus China deutlich höher liegt, als das wertmäßige. Experten erwarten ähnliches auch nach der Liberalisierung im Jahr 2005. Die Gründe hierfür liegen in einer gewissen Sättigung der Absatzmärkte EU und USA. Nur durch deutliche Preissenkungen lassen sich deshalb zusätzliche Verkaufsmengen auf Kosten der Konkurrenz realisieren.
Nur – der Welthandel ist nirgendwo eine Einbahnstraße. China hat durch die WTO Mitgliedschaft selbst umfangreiche Zugeständnisse gemacht. Bis 2005 werden die Zölle für Textilien auf durchschnittlich 13 % gesenkt werden. Auch bisherige nicht-tarifäre Handelshemmnisse wie Mengenrestriktionen für den Import und das Staatshandelsmonopol sollen abgeschafft werden.
China wird auf den Weltmärkten im Niedrigpreissektor an Marktanteilen gewinnen. Mit qualitativ hochwertigen, modeorientierten Bekleidungsprodukten und Heimtextilien kann der VR China in den Weltmärkten ausgewichen werden.
China selbst bietet hierfür auch einen großen Markt. Das kräftige Wirtschaftswachstum schafft eine immer größere, zahlungskräftige Käuferschicht, die vor allem Qualität sucht. Heute gehen rund 80 % der chinesischen Textilproduktion in den heimischen Markt. Diese Zahl gibt eine Vorstellung von dem riesigen Marktvolumen der VR China.
Und noch ein Bereich soll hier angesprochen werden. Aufgrund des rasanten Ausbaus von Gebäuden, Verkehrswegen, der Medizin sowie von Bestimmungen zum Schutz von Personen, Gütern und Umwelt, werden technische Textilien gerade in China einen Boom erleben. Diese kann nur liefern, wer das Know-how hierfür hat. China wird für den Textilhandel in seiner Bedeutung rapide ansteigen. Experten rechnen damit, dass die VR China in den nächsten 10 Jahren die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der Welt sein wird.
Know-how wird zum Erfolgs-Garanten.
Für die weltweite Textilindustrie, vor allem auch kleinerer Länder, die mit China nur schwer mithalten können, sind die Konsequenzen klar: In der Mengenproduktion ist höchste Produktivität gefragt, um im Preiswettbewerb zu bestehen. Und in der qualitativ hochwertigen Produktion kommen noch modische Kreativität, Vielseitigkeit und beste Qualität hinzu.
In beiden Fällen ist das Thema Rundstricken von besonderem Interesse. Zum einen ist Rundstricken das nachweislich preisgünstigste Verfahren, textile Flächen herzustellen, zum anderen ist Rundstrickware durch ihre Elastizität und Tragefreundlichkeit in der Bekleidung sehr beliebt. Moderne High-Tech-Rundstrickmaschinen, wie sie z.B, Mayer & Cie. als Weltmarktführer herstellt, erfüllen alle Ansprüche an Bindungen, Strukturen, Feinheiten und modischen Mustern. Die Verbindung von Know-how in der Herstellung von Stoffen mit einem zukunftsorientierten Maschinenpark eröffnet vor allem der Rundstrickerei hervorragende Zukunftschancen.
Das breite Anwendungsgebiet technischer Textilien wird mehr und mehr auch dem Rundstricken erschlossen. Mayer & Cie. zeigte auf der ITMA 2003 eine Relanit 0.8, die zuverlässig Fäden aus Silber, Draht, Messing, Stahl, Fiberglas usw. alleine oder in Kombination mit herkömmlichen Garnen zu Stoffen verarbeitet. Aber auch aus PES- und Poly-amidgarnen werden Stoffe für das Baugewerbe, den Fahrzeugbau, die Möbelindustrie und viele weitere Bereiche zuverlässig mit verschiedenen Maschinen-typen von Mayer & Cie. rundgestrickt hergestellt.
Textilproduktion unter Preisdruck.
Im internationalen Textilhandel stehen textile Mengenproduktionen unter einem hohen Preisdruck, der zwangsläufig durch die Liberalisierung auch auf die jeweiligen Heimmärkte durchschlagen wird. Somit steht das Kosten-Controlling an allererster Stelle.
Bei der textilen Mengenproduktion sind die Garnkosten der Kostenfaktor Nr. 1. Eine hohe Fehlerquote verursacht teuren Stoffabfall, weshalb beim Rundstricken meist höherwertigere Garne eingesetzt werden, um z.B. Garnbrüche zu reduzieren. Diese Kostenfalle haben findige Entwicklungsingenieure von Mayer & Cie. bereits in den 90er Jahren erkannt und die Relativ-Technologie – ein Mayer & Cie-Patent – entwickelt. Hier hat das Garn im Maschenbildungsbereich deutlich weniger Umlenkpunkte und damit eine wesentlich reduzierte Spannung. So bekam man das Garnbruchrisiko in den Griff und seit 1995 wurden mehr als 5.000 Rundstrickmaschinen mit Relativ-Technologie verkauft. Diese Relanit-Rundstrickmaschinen von Mayer & Cie. gibt es heute in unter-schiedlichsten Modellvarianten für praktisch alle Einsatzbereiche im Single-Jersey-Bereich. Allen gemeinsam ist eine deutliche Senkung der Garnkosten durch den Einsatz einfacherer Garne, wie durch wesentlich weniger Gestrickfehler sowie eine beispielhafte Gestrickqualität bei höchster Leistung.
So war die Relanit 3.2 über Jahre hinweg die leistungsstärkste Single-Jersey-Rundstrickmaschine weltweit. Sie wird lediglich von der Relanit 4.0 – erstmals vorgestellt auf der ITMA 2003 – in der Leistung noch übertroffen.
Die MCT Relanit-Technologie ist so weit entwickelt, dass sie bei Single-Jersey sowohl für die Mengenproduktion, wie für modische Stoffe in Produktivität und Wirtschaftlichkeit Maßstäbe setzt, ob mit oder ohne Ringel, ob als mechanische, als teilautomatisiert oder vollelektronische Maschine.
Moderne Informationstechnologie nutzen.
In liberalisierten Märkten kann nur erfolgreich überleben, wer sich sämtlicher Rationalisierungsmöglichkeiten bedient. Vollelektronische MCT-Rundstrickmaschinen mit Einzelnadelauswahl (auch ein Mayer & Cie.-Patent) übernehmen jedes Muster in Sekundenschnelle vom PC oder Laptop und stricken sofort zuverlässig und mustergerecht. Die Mustervorbereitung erfolgt schnell und einfach am PC mit der Software PIC (Patter-Information-Center). Diese PIC-Software ist neben deutsch und englisch auch in den Sprachen französisch, portugiesisch, spanisch, türkisch und chinesisch erhältlich.
Mit MDA (Machine-Data-Acquisition) lassen sich alle für den Rundstrickbetrieb relevanten Daten erfassen. Eine Mayer & Cie. Rundstrickmaschine bietet als Standard alle Informationen zu Produktivität, Leistung, Verfügbarkeit und Qualität der Gestricke – einfach am Display ablesbar. Werden die einzelnen Rundstrickmaschinen vernetzt, erhält der Rundstrickbetrieb mit MDA ein umfassendes Kontrollinstrument.
Wettbewerb macht erfinderisch. Um Bedienungszeiten und vor allem Bedienungsfehler mit teuren 2. WahlGestricken und Garnverlusten zu vermeiden, haben die Ingenieure von Mayer & Cie. das Kontrollsystem MCTmatic entwickelt. Dieses System automatisiert wichtige Bedienungs- und Einstellungsschritte einer Mayer & Cie. Rundstrickmaschine. Da sich das System selbst überwacht, ist die einmal definierte Qualität garantiert – von der ersten bis zur letzten Masche. Die Einstellungen lassen sich speichern und sind bei Wiederholungsaufträgen sofort verfügbar.
E-Business – in liberalisierten Märkten Standard.
Neben der Marktöffnung ist der elektronische Handel das zweite zentrale Thema für eine völlig neue Qualität eines multipolaren Handelssystems. E-Commerce schafft weltweit erst die Möglichkeit, offenen Märkten näher zu kommen und sie zu erreichen. E-Commerce wird dramatische Auswirkungen für den Welthandel haben.
Er wird bestehende Marktstrukturen in Frage stellen und enormen Druck auf die Liberalisierung der Märkte ausüben. Entwicklungsländer haben gute Chancen, ihre Volkswirtschaft verstärkt in die Weltwirtschaft zu integrieren.
Je schneller sich der elektronische Handel verbreitet und je schneller die Liberalsierung der Märkte stattfindet, um so eher können gerade Entwicklungsländer von den Vorteilen des internationalen, digitalen wie physischen Handels partizipieren. Allerdings muss hier noch die digitale Kluft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern geschlossen werden.
Maschinenhersteller, wie Mayer & Cie., werden die globalisierten Informationsmöglichkeiten dafür nutzen, die Verfügbarkeit ihrer Maschinen vor Ort beim Kunden zu sichern. Dies geht von der Möglichkeit der Ersatzteilbestellung mit Informationen über Liefermöglichkeit und Lieferzeit bis hin zu kompletten Fehlerdiagnosen mit Fernwartung und Fernreparatur. Entsprechende Programme werden bei Mayer & Cie. derzeit entwickelt.
Zu guter Letzt.
Die Zukunft kommt von allein, der Fortschritt nicht. Und der wesentliche Faktor einer erfolgreichen Zukunft heißt Innovation, nicht nur im technischen Bereich, sondern auch im Denken und Handeln. Etablierte, starke Lieferanten mit langer textiler Tradition werden ihre Position möglicherweise noch ausbauen, während sich Newcomer im Hinblick auf ein begrenztes Nachfragewachstum in den traditionellen Abnehmerländern schwer tun werden. Kleinere Länder werden im Wettbewerb mit großen wie China, Indien und Pakistan im bloßen Preiskampf nicht mithalten können. Ihre Chancen stecken in Qualität, Design und Lieferzuverlässigkeit, was Investitionen in Technik und Logistik voraussetzt.
Die Zukunft kommt von alleine und die Entwicklungen lassen sich nicht aufhalten. Die Liberalisierung der Märkte wird kommen. Wer sich jetzt mit der für sein Unternehmen richtigen Strategie und den daraus resultierenden Investitionsentscheidungen darauf vorbereitet, wird ab 2005 die Nase vorne haben.
Literaturnachweis:
In dieser Ausarbeitung wurden Inhalte der Jahrbücher des Verbandes Gesamttextil e.V. mit Beiträgen von Sylvia M. Jungbauer und Wolf-Rüdiger Baumann verwendet.